Ernährung

Welpen füttern: der komplette Ratgeber

Die ersten Lebensmonate eines Welpen entscheiden vieles über seine spätere Gesundheit: Skelett, Muskeln, Immunsystem und sogar sein Verhältnis zum Futter werden gerade jetzt aufgebaut. Gleichzeitig ist es die Phase, in der man am leichtesten Fehler macht – zwischen zu großzügigen Portionen, plötzlichem Futterwechsel und tausend widersprüchlichen Ratschlägen. In diesem Ratgeber bringen wir Klarheit: was ein Welpe fressen sollte, wie viel, wie oft am Tag und wie du Entwöhnung und Umstellung ohne Verdauungsprobleme meisterst.

Ein Punkt gilt für diesen ganzen Artikel: Jeder Welpe ist anders. Ein Chihuahua und ein Labrador wachsen völlig unterschiedlich schnell und haben ganz andere Nährstoffbedürfnisse, und kein Ratgeber ersetzt den Rat des Tierarztes, der deinen Hund kennt. Betrachte das Folgende als soliden Ausgangspunkt, den du an das einzelne Tier anpasst.

Was ein wachsender Welpe braucht

Ein Welpe ist kein erwachsener Hund im Miniformat: Er hat besondere Nährstoffbedürfnisse, weil er buchstäblich seinen eigenen Körper aufbaut. Im Vergleich zu einem erwachsenen Hund braucht er – bezogen auf sein Gewicht – mehr Energie und eine sorgfältig ausbalancierte Zufuhr einiger zentraler Nährstoffe.

  • Hochwertiges Protein. Es sind die Bausteine von Muskeln, Organen und Gewebe. Ein Welpenfutter sollte einen guten Anteil an leicht verdaulichem tierischem Protein enthalten.
  • Fette und essenzielle Fettsäuren. Sie liefern konzentrierte Energie und unterstützen die Entwicklung des Nervensystems sowie die Gesundheit von Haut und Fell. Besonders DHA ist wichtig für die Entwicklung von Gehirn und kognitiven Fähigkeiten.
  • Kalzium und Phosphor im richtigen Verhältnis. Sie sind grundlegend für das Skelett, aber hier zählt die Balance: Zu viel Kalzium ist genauso schädlich wie zu wenig, gerade bei großen Rassen. Deshalb sind selbst zusammengestellte Kalzium-Zusätze bei einer bereits vollwertigen Ernährung nicht zu empfehlen.
  • Vitamine und Mineralstoffe. Sie unterstützen das noch unreife Immunsystem und den gesamten Stoffwechsel.

Am einfachsten und sichersten deckst du all das ab, indem du ein Futter wählst, das vollwertig und ausgewogen und speziell für das Wachstum zusammengestellt ist (auf dem Etikett findest du es als „Puppy“ oder „Growth“ gekennzeichnet). Ein Alleinfutter ist bereits so konzipiert, dass es jeden Nährstoff im richtigen Verhältnis liefert: Genau deshalb ist es unnötig – und oft sogar kontraproduktiv –, ohne tierärztlichen Rat Zusätze hinzuzufügen.

Wie viel und wie oft: die Anzahl der Mahlzeiten

Der Magen eines Welpen ist klein, sein Energiebedarf aber hoch. Die Lösung besteht darin, das Futter auf mehrere Mahlzeiten zu verteilen und die Anzahl zu reduzieren, während der Welpe wächst.

  • Bis 4–6 Monate: 3–4 Mahlzeiten am Tag, zu festen Zeiten.
  • Von 6 bis 8–12 Monate: runter auf 3 Mahlzeiten, dann schrittweise auf 2.
  • Ab dem Erwachsenenalter: 2 Mahlzeiten am Tag, morgens und abends, wie bei jedem erwachsenen Hund.

Häufige Mahlzeiten unterstützen die Verdauung und halten den Blutzucker stabil – eine heikle Sache bei kleinen Welpen und Toy-Rassen, die anfälliger für Unterzuckerung sind. Bei der Menge ist die Tabelle auf der Verpackung der erste Anhaltspunkt: Sie gibt die tägliche Grammzahl je nach aktuellem Gewicht und erwartetem Endgewicht an. Das ist ein Ausgangspunkt, kein Dogma: Passe sie an, indem du beobachtest, wie der Welpe wächst.

Ob die Menge stimmt, erkennst du am besten nicht an der Waage, sondern am Körper des Hundes: Ein Welpe in guter Verfassung hat von oben betrachtet eine angedeutete „Taille“ und Rippen, die man fühlen kann, ohne dass sie hervorstehen. Wenn der Bauch rund wird und die Rippen unter einer weichen Schicht verschwinden, fütterst du zu viel.

Achtung vor zu schnellem Wachstum (besonders bei großen Rassen)

Es gibt einen verbreiteten, verständlichen Instinkt: Einen Welpen schnell und kräftig wachsen zu sehen, fühlt sich wie ein gutes Zeichen an. In Wirklichkeit ist bei großen und sehr großen Rassen ein zu schnelles Wachstum ein Risikofaktor für die Entwicklung von Skelett und Gelenken. Einen großen Welpen zu überfüttern, damit er „schneller groß wird“, kann ihn als erwachsenen Hund für orthopädische Probleme anfällig machen.

Das Ziel ist nicht der größte Welpe, sondern der, der harmonisch und stetig auf sein ideales Endgewicht zuwächst. Deshalb haben Futtersorten für Welpen großer Rassen eigene Rezepturen, mit einer Energiedichte und einem Kalzium-Phosphor-Verhältnis, die genau auf sie abgestimmt sind. Orientiere dich an den Angaben für das erwartete Endgewicht und lass dich von deinem Tierarzt bei regelmäßigen Kontrollen begleiten.

Entwöhnung und der Einzug zu Hause

Die eigentliche Entwöhnung – der Übergang von der Muttermilch zu fester Nahrung – findet meist zwischen der 3.–4. und der 7.–8. Woche statt, während der Welpe noch bei seiner Mutter und beim Züchter ist. Wenn der Welpe mit etwa zwei Monaten zu dir nach Hause kommt, sollte er bereits festes Welpenfutter fressen.

Der wichtigste Rat für die ersten Tage: Stelle die Ernährung nicht sofort um. Der Umzug, die Trennung vom Wurf und die neue Umgebung sind schon Stress genug; ein plötzlicher Futterwechsel obendrauf ist das perfekte Rezept für Durchfall und einen verstimmten Magen. Frag den Züchter oder das Geschäft, was der Welpe bekommen hat, und bleib ein paar Tage beim selben Futter – danach kannst du, wenn du möchtest, schrittweise auf das von dir gewählte Futter umstellen.

So stellst du das Futter ohne Verdauungsprobleme um

Ob es der erste Wechsel nach dem Einzug ist oder die Umstellung auf ein neues Produkt – es gibt nur eine Regel: Mach es schrittweise. Die Darmflora braucht Zeit, um sich anzupassen, und ein abrupter Wechsel bedeutet fast immer weichen Stuhl oder Erbrechen. Eine typische Umstellung dauert 7–10 Tage:

  • Tag 1–3: etwa 75 % altes Futter + 25 % neues Futter.
  • Tag 4–6: 50 % und 50 %.
  • Tag 7–9: 25 % altes Futter + 75 % neues Futter.
  • Ab Tag 10: 100 % neues Futter.

Wenn während der Umstellung weicher Stuhl auftritt, geh langsamer vor: Bleib noch ein paar Tage beim vorherigen Verhältnis, bevor du weitermachst. Formate, die das Portionieren erleichtern, helfen enorm: Die Monoprotein-Rezepte von Pappa Fresh zum Beispiel kommen in fertigen Portionen, sodass du bei der Umstellung nur die Verhältnisse steuern musst und nicht auch noch die Waage.

Wasser und Gewichtskontrolle

Frisches, sauberes Wasser muss jederzeit verfügbar sein, besonders wenn der Welpe Trockenfutter frisst. Wechsle es mindestens einmal am Tag und reinige den Napf regelmäßig. Ein Welpe, der sehr wenig oder umgekehrt sehr viel trinkt, sollte tierärztlich untersucht werden.

Wiege den Welpen schließlich regelmäßig (anfangs ruhig wöchentlich) und notiere die Werte: Eine gleichmäßige Wachstumskurve ohne starke Sprünge ist das beste Zeichen dafür, dass die Ernährung funktioniert. Wenn dir eine zu schnelle Gewichtszunahme, eine Verlangsamung oder ein ständig aufgeblähter Bauch auffällt, sprich mit deinem Tierarzt, bevor du die Mengen selbst anpasst.

Kurz gesagt

Einen Welpen gut zu füttern heißt: ein Alleinfutter speziell für das Wachstum wählen, es auf 3–4 Mahlzeiten verteilen, die mit dem Alter weniger werden, Überfütterung vermeiden (besonders bei großen Rassen) und jeden Futterwechsel schrittweise über 7–10 Tage gestalten. Stets frisches Wasser, regelmäßige Gewichtskontrolle und das Vertrauen in tierärztliche Kontrollen runden das Bild ab. Mit diesen Grundlagen gibst du deinem Welpen den bestmöglichen Start – und ersparst dir die meisten Verdauungsprobleme der ersten Monate.

Dott. Bellei

Tierarzt, ärztlicher Leiter der Clinica ARS Veterinaria in Modena. Er beschäftigt sich täglich mit Hundeernährung, Vorsorge und Wohlbefinden, mit besonderem Augenmerk auf Futtermittelunverträglichkeiten und Gewichtsmanagement.

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